KRONACHER KUNSTVEREIN e.V.

Bücher 2018

Termine 2018

jeweils sonntags 11.00-12.30Uhr

21.01.2018
18.02.
18.03. entfallen,
15.04. 
13.05.
17.06. 
15.07.
26.08. 
16.09.  

21.10.
11.11.
09.12. enfällt


 Literarischen Matinée vom 16.9.2018

Autorenlesung
Isabella Maria Kern 

Österreichische Autorin im Kronacher Kunstverein e.V.

 

Die österreichische Autorin Isabella Maria Kern stellte im Rahmen der Literarischen Matinée einer zahlreich erschienenen interessierten Zuhörerschaft ihre beiden Romane „Li - Tote Mädchen haben keinen Sex“ und „Augustine: In den Schuhen der anderen“ vor.

Zwangsprostitution junger, minderjähriger Mädchen ist das Thema des Erstlingswerkes der Autorin. Ein ordnungsliebender, arroganter und egoistischer Journalist, der sich gerade in einer Sinnkrise befindet, besucht aus Frust und Lust auf Sex zum ersten Mal in seinem Leben ein Bordell. Dort lernt er die 15-jährige Vietnamesin Li kennen, die ihm ihre Geschichte erzählt, anstatt Sex mit ihm zu haben. Li kam mit dem Versprechen nach Wien, dass sie hier Medizin studieren könnte, wurde aber stattdessen an einen Zuhälter verkauft, der sie mehrfach missbrauchte. Noch in der Nacht nach dem Besuch des Journalisten und einer weiteren Vergewaltigung durch den Zuhälter begeht die Vietnamesin Selbstmord und hinterlässt zwei Briefe. Der durch diese Tat zutiefst getroffene Journalist versucht, im Verlauf der Ereignisse (Verfolgung, Mord, Kündigung, paranormales Erleben …) sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Isabella Maria Kern, die hauptberuflich Krankenschwester war und nun als frei schaffende Schriftstellerin lebt, stellte ihren Roman engagiert und zum Weiterlesen motivierend vor. Auf Nachfragen bezüglich der Recherchen wie z.B. der Szenen im Bordell erzählte sie, dass sie im Rahmen einer Sendung im österreichischen Fernsehen eine Bordellbesitzerin kennengelernt, von ihr eine Menge Informationen erhalten und sich sogar deren Etablissement persönlich angeschaut hätte.

 

Die Auseinandersetzung mit problembeladenen Themenbereichen wie Zwangsprostitution, Intersexualität und deren Veröffentlichung in ihren Romanen ist der Autorin ein besonderes Anliegen. Neben dem Unterhaltungswert soll der Leser auch zum Nachdenken oder besser noch zum Umdenken aufgefordert werden und den Problemen der Mitmenschen nicht zynisch abwertend, sondern empathisch entgegentreten.

In diesem Sinne ist auch „Augustine - In den Schuhen der anderen“, das nächste Buch, das mit Leseproben vorgestellt wurde, zu verstehen. Dieser erotische Beziehungsroman erzählt die irreale Geschichte einer in der Wirklichkeit unauffälligen, in sexueller Hinsicht unerfahrenen Frau, die mit Hilfe einer besonderen „Gabe“ in die Körper anderer Frauen schlüpft, transcorporiert, um leidenschaftlichen Sex zu haben und sich wenigstens für kurze Zeit der Illusion hinzugeben, geliebt zu werden.

Bemerkenswert war das Titelbild des Buches „Li“, das die Autorin als Gemälde mitgebracht hatte. Ein Bekannter der Familie hatte es spontan nach der Lektüre des Romans, der ihn sehr berührt hatte, gemalt.






26.8.2018

Menschliches, Allzumenschliches

Der Mensch Nietzsche …..

Der 1. Vorsitzende des Kronacher Kunstverein e.V., Karol J.Hurec begrüßte
die die zahlreichen, interessierten Zuhörer die sich schwerpunktmäßig über das Leben und Leiden, die Persönlichkeit und die Philosophie dieses großartigen Denkers informieren wollten. 

„Der Mensch mag sich noch so weit mit seiner Erkenntnis ausrecken, sich selber noch so objektiv vorkommen: zuletzt trägt er doch Nichts davon, als seine eigene Biografie.“ (Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches)

Dieses Motto Nietzsches stellte Lou Andreas-Salomé dem ersten Abschnitt von dreien in ihrer Biographie „Friedrich Nietzsche in seinen Werken“ voran.

Dieses Buch wurde in der Literarischen Matinée anlässlich der Installation „Also sprach Zarathustra“ von Peter Rutzmoser in der Galerie des Kronacher Kunstverein e.V. von Krystyna Hurec-Diaczyszyn vorgestellt.

Lou Andreas-Salomé ( 1861-1937), eine der bekanntesten Schriftstellerinnen, Essayistinnen und Psychoanalytikerinnen ihrer Zeit, sah ihre Aufgabe als Biographin darin, den Denker durch den Menschen  Nietzsche zu erläutern, denn wie bei keinem anderen Philosophen fielen äußeres Geisteswerk und inneres Lebensbild so völlig in eins zusammen. Dass Nietzsche auch ein Musiker von hoher Begabung war, konnten die Zuhörer der eingangs gespielten, von Nietzsche komponierten Klavierstücke entnehmen. Lou Andreas-Salomés Ausführungen stellten das eigene Selbst als zentrales Thema Nietzsches heraus u.a. ausgehend von der Selbsttäuschung, der Selbstspaltung, der Selbsterduldung zur geistigen Selbstversenkung und dem absoluten Selbstuntergang; Nietzsche selbst bezeichnete sich in einem seiner letzten Gedichte als Selbstkenner und Selbsthenker.

Irvin D.Yalom
Die Isoliertheit, Hilfsbedürftigkeit und Verzweiflung des brillanten Philosophen Nietzsche, der in seinem unzeitgemäßen Denken seiner Zeit weit voraus war, war für Irvin D.Yalom (geb. 1931), einem der bekanntesten und einflussreichsten Therapeuten in den USA, Anlass, einen Lehrroman für seine Studenten zu schreiben, der diese nach Wien in die Zeit des ausgehenden 19.Jahrhunderts versetzen sollte. „Und Nietzsche weinte“ ist 
ein fiktiver Roman, in der der Philosoph Friedrich Nietzsche in der Interaktion mit Dr. Josef Breuer, Mentor Sigmund Freuds, eine Hauptrolle bei der Entstehung des Fachgebiets der Psychotherapie spielt.
Die Ereignisse in diesem Roman sollten laut Yalom eine tatsächliche Möglichkeit darstellen, so als hätte das fiktiv Geschriebene sich wirklich zugetragen. Dr. Josef Breuer wird von Lou Salomé gedrängt, dem suizidgefährdeten Friedrich Nietzsche zu helfen und ihn von seiner zerstörerischen Besessenheit für sie zu heilen. Breuer willigt ein und unterzieht den Philosophen einer „Redekur“, einer neuartigen Heilmethode. Zwischen Patient und Arzt finden heftige Rededuelle statt, deren Ausgang für beide unerwartet ist.

Krystyna Hurec-Diaczyszyn verwies bei der Vorstellung der beiden Bücher noch auf zusätzliches Lesematerial, so die Biografien von Kerstin Decker über Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche („Die Schwester“) und Lou Andreas-Salomé („Der bittersüße Funke Ich“) wie auch auf die Filme (DVD) „Und Nietzsche weinte“ und „Lou“.


 
 

 

 

 

Autorenlesung, 15. Juli 2018
Nicole Eick

Skurril und dennoch menschennah


Wieder hatte der Kronacher Kunstverein e.V. zur literarischen Matinée eingeladen und viele Interessierte hörten mit wachsender Begeisterung der Coburger Autorin und Mitbegründerin der Autorengruppe SCHREIBSAND,
Nicole Eick, zu. 


1957 in Karlsruhe, der badischen Fächerstadt, geboren, begann sie 

mit 11 Jahren zu schreiben und beendete mit 12 Jahren ihren ersten Roman „Ferien in der Gespensterhütte“, der unveröffentlicht blieb.

Nach dem Abitur studierte sie Sozialpädagogik in Bamberg und zog 1986 mit Familie nach Coburg, wo sie als Sozialpädagogin bei verschiedenen Trägern arbeitete. Von 1994 bis 2008 war sie nebenberuflich freie Mitarbeiterin der Neuen Presse Coburg und feilte nebenbei in der VHS-Schreibwerkstatt an Texten.

Das Schreiben, der kreative, auch spielerische Umgang mit Sprache liegt ihr zweifellos. Die Leseproben aus ihren Büchern „Buchstabensuppe“ und „raus bist du“ weckten den Appetit auf mehr. Ironie und Lächeln, bis dieses auf den Lippen gefriert - das ist der Eindruck, den die nudeligen Attentate eines Mobbingopfers gegen seine Quälgeister in einem Büro beim Zuhörer hinterlassen.

Rache ist süß - nein, weit gefehlt! Rache ist Buchstabensuppe. Der Leser dieser Kurzgeschichte hat völliges Verständnis für die Aktionen einer - pardon! -unscheinbaren Büromaus, die in ihrer Skurrilität an die makabren und fiesen Geschichten eines Roald Dahl erinnern.

Sprachlich das Wesentliche ohne große Umschweife klar und klug zu Papier gebracht, gelingt es Nicole Eick vortrefflich, den Leser auf eine Reise zu den Problemen und Nöten seiner Mitmenschen mitzunehmen und dies in Begleitung eines versteckten feinen Humors.

Beeindruckend bei dieser Autorenlesung waren die kurzen, gedichtartigen Geschichten - kreative Spielereien mit Wörtern; so in der K-Geschichte, wo alle Wörter mit dem Buchstaben K beginnen oder in der schwierig vorzutragenden U-Geschichte, in der der Buchstabe u der einzige Vokal ist. 

Bereitwillig stellte sich Nicole Eick den Fragen ihrer Zuhörerschaft und erzählte von den Anregungen, die sie aus Zeitungsinformationen oder eigenem Erleben ihren Geschichten zugrunde legen konnte.



 

Autorenlesung

Dr. Norbert Autenrieth

Der Mensch ist ein gar seltsames Wesen 

Sonntag, 13. Mai.2018, 11.00 Uhr

Warum ein Lehrer so mir nichts dir nichts seine Klasse im Stich lässt, was Mephisto im Biergarten anrichtet, wie sich Kommissar Dürrbeck mit Bratwurstleichen herum-ärgern muss, was „Süßes oder Saures“ so mit sich bringt, dass das Verhältnis zur Mutter ein durchaus gespaltenes sein kann und was es mit Kräutern, Käsekuchen oder Trüffeln auf sich hat, das und mehr beinhalten Kurzgeschichten, Erzählungen und Glossen, die ernsthaft und hintergründig, satirisch und humorvoll beweisen, dass der „Mensch ein gar seltsames Wesen“ ist - und das Buch ein perfektes Lesevergnügen! 

1950 in Nürnberg geboren, seit 1970 verheiratet, drei Kinder und sechs Enkel. Seit 1977 wohnhaft in Cadolzburg. Nach dem Studium für das Lehramt als Lehrer in Grund- und Hauptschulen eingesetzt, 1989 neben Berufstätigkeit bei Frau Prof. Roth in Bamberg promoviert (Volkskunde, Didaktik der Geschichte und Schulpädagogik). Von 1991 – 1997 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Schulpädagogik an der EWF in Nürnberg, seit 1997 in der Schulleitung oder als Schulleiter tätig, seit 2004 Rektor der Mittelschule Cadolzburg, seit 2012 im Ruhestand. 

Seit den siebziger Jahren beschäftigt er sich mit Mundartlyrik und –epik, aber auch mit hochdeutschen Texten, hat seitdem zahlreich in Anthologien und Zeitungen veröffentlicht und ist regional durch Lesungen bekannt, z.B. durch ein laufend aktualisiertes fränkisches Kabarettprogramm („Mer red ja ned, mer sachd ja bloas“) solo oder zusammen mit diversen Musikbeiträgen, ferner Programme mir hochdeutschen Texten (z.B. „Reißwolf und Papiertiger“ mit MIchael Lösel), daneben Mitwirkung in Rundfunksendungen. Mehrere Buchveröffentlichungen, zuletzt „Der Mensch ist ein gar seltsames Wesen 2017 (Kurzgeschichten, Erzählungen und Glossen) und „Weihnachten! Ein fränkische Lesebuch zum Fest des Jahres“ 2017. Außerdem zahlreiche fachwissenschaftliche Veröffentlichungen (historischer und pädagogischer Art), ferner Konzeption von Ausstellung, z.B. „165 Jahre Struwwelpeter“ (2006) im Stadtmuseum Zirndorf oder „Der 1. Weltkrieg im Kinderzimmer“ (2014/15) im Historischen Museum Cadolzburg.

Er ist Sprecher des Collegiums Nürnberger Mundartdichter, Mitglied im Vorstand des  AutorenVerband Franken, in diesem Schriftleiter des "Literarischen Journals" und der jährlichen erscheinenden Anthologie "ZimmerLese". Ferner Rundgangsleiter bei "Geschichte für Alle", Burgführer "Erlebnisburg Cadolzburg" und Schriftleiter des "Bleistift", der periodischen Zeitschrift des Heimatvereins Cadolzburg u.U. e.V. 

Zahlreiche Berücksichtigung bei Literatur-Wettbewerben, zuletzt 3. Platz im "Landschreiber-Wettbewerb" des Instituts für Sondersprachen in Münster zum Thema "Sprache und Seinskategorien", 1. Preis beim 1. Fränkischen Literaturpreis 2016.

Träger der bronzenen Ehrenamtsnadel des Landkreises Fürth und Verleihung des Ehrenamtspreises der Stadt Nürnberg/Iduna-Versicherung/Nürnberger Nachrichten 2016.





der Literarischen Matinée am 15. April 2018


Der 1.Vorsitzende des Kronacher Kunstverein e.V., Karol J.Hurec, konnte zur 16. Literarischen Matinée eine zahlreiche Zuhörerschaft begrüßen. In seinen einführenden Worten verwies er auf die überaus positive Resonanz auf dieses Literaturangebot des Kunstvereins, das sich seit Anbeginn zu einer beliebten und festen Einrichtung entwickelt hatte.

 

 
 

Wie man wird, was man ist

„Becoming myself“ oder „Wie man wird, was man ist“ ist das im November 2017 in Deutschland erschienene Buch des 1931 in Washington D.C. geborenen Irvin D. Yalom, das von Krystyna Hurec-Diaczyszyn vorgestellt wurde. Dieser US-amerikanische Psychoanalytiker, Psychotherapeut, Psychiater, Schriftsteller und seit 1994 emeritierter Professor der Universität Stanford gilt als einer der bedeutendsten lebenden Vertreter der existentiellen Psychotherapie und Gruppentherapie. Für seine Verdienste in Forschung und Lehre wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. ist er seit 2009 Träger des Internationalen Sigmund-Freud-Preises. Als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Bücher und Romane schreibt er sprachlich exzellent formulierend, inhaltlich von hohem aufklärerischen Wert, menschlich bewegend, mitreißend und, wie auch in seinen „Memoiren eines Psychotherapeuten“, selbstenthüllend und ehrlich. In den 40 Kapiteln seiner Lebensgeschichte erzählt Yalom von sich und den Umbrüchen, die ihn und seine Arbeit prägten. Die Erinnerungen des inzwischen 87-jährigen Autors, dessen Eltern jüdische Einwanderer aus Russland waren und einen kleinen Lebensmittelladen betrieben, beschreiben eine Kindheit, die von Armut, Einsamkeit und Minderwertigkeitsgefühlen geprägt war, aber auch von einer eigenwilligen Zielstrebigkeit, dies hinter sich zu lassen. Yaloms Leben an der Highschool, sein Medizinstudium, seine Facharztausbildung und die sein Leben prägende Entscheidung, an der Universität Stanford in Kalifornien zu forschen und zu lehren werden bis zum heutigen Tag begleitet von seiner Frau Marilyn. Sie ist seinen Worten nach der wichtigste Mentor bzw. die wichtigste Mentorin, nach denen er als Kind vergeblich gesucht hatte. In seinen Memoiren verweist er auf psychologische Phänomene wie Übertragung und Gegenübertragung, die für jeden Psychiater ein Problem in der Therapie darstellen können. In seinen Romanen, denen Fallgeschichten zu Grunde liegen wie z.B. „Die Liebe und ihr Henker“ oder die rein fiktiv sind wie „Und Nietzsche weinte“ verwebt er geschickt theoretisches Wissen mit spannenden Handlungsabläufen. Sein 20 Jahre älterer Kollege, Rollo May, schreibt: „Yalom schreibt wie ein Engel über die Teufel, von denen wir besessen sind.“ Yalom selbst blickt am Ende seines Buches auf ein außergewöhnliches, sinnerfülltes Leben dankbar zurück und zitiert Nietzsches Zarathustra: „War das das Leben? Wohlan! Noch einmal!“


 

 

Woher wir kommen, wohin wir gehen

Der Mensch - die Krone der Schöpfung oder der Schrecken des Ökosystems? Das Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ des 37-jährigen Historikers und Professors der Jerusalemer Hebrew University Yuval Noah Harari wurde von Hinrich Ruyter vorgestellt.

Diese Universalgeschichte hielt sich mehr als 100 Wochen auf Platz Eins der nationalen Sachbuch-Bestsellerliste und bietet dem Leser auf 526 leicht lesbaren Seiten eine rasante Reise durch die vergangenen 100000 Jahre an. Dem Autor geht es darum, die drei großen Revolutionen in der Entwicklung der Spezies Mensch aufzuzeigen: Die kognitive Revolution vor 70000 Jahren, die landwirtschaftliche Revolution vor rund 12000 Jahren und die wissenschaftliche Revolution, die vor knapp 500 Jahren ihren Anfang nahm. Das Buch erzählt, welche Konsequenzen diese drei Revolutionen für den Menschen und seine Mitlebenwesen hatten und haben. Harari räumt in seiner historischen Analyse mit populären Geschichtsirrtümern auf und verweist auf die Einflüsse von Politik, Wirtschaft und Religion als entscheidende Entwicklungsmotoren. Hinrich Ruyter las auszugsweise Hararis Kapitel über die Religion vor, das als eines der brillantesten im Buch angesehen werden kann. Monotheismus (Glaube an einen allmächtigen Gott), Polytheismus (viele mächtige Gottheiten), Animismus ( alle Lebewesen haben eigene Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Wünsche) und als Vermischung all dieser unvereinbaren Vorstellungen, Rituale und Praktiken der Synkretismus (Vermischung von religiösen Ideen oder Philosophien zu einem neuen System oder Weltbild) -  der Durchschnittschrist von heute glaubt nach Harari an einen monotheistischen Gott, einen dualistischen Teufel, polytheistische Heilige und animistische Geister. 

Harari führt seine Überlegungen dahingehend aus, dass Religion die dritte große Kraft war, die zur Einigung der Menschheit beitrug, dennoch oft als Inbegriff für Ausgrenzung, Streit und Hass angesehen werden kann.

Wohin die Entwicklung des Menschen gehen wird - einen Ausblick oder eine Antwort darauf gibt das jüngst erschienene Buch von Yuval Harari  „Homo deus - eine Geschichte von morgen“.





Februar  2018

Autorenlesung
Perter Engerisser


 

Quest im Kronacher Kunstverein


Der 1. Vorsitzende des Kronacher Kunstvereins Karol J.Hurec konnte zur 15. Literarischen Matinée auch dieses Mal wieder eine große Zahl interessierter Zuhörer begrüßen. Krystyna Hurec-Diaczyszyn, die Organisatorin dieser Lesungen, stellte mit ihren einführenden Worten den
Kronacher Schriftsteller Peter Engerisser vor.

Unter dem Pseudonym Jan Peter Andres veröffentlichte er letztes Jahr die „Schwertläufer“-Trilogie mit den beiden 1600 Seiten umfassenden Büchern „Die Reise nach Arangion“, „Die Schlüssel von Ormor“ und „Das Zepter Aranurs“.


 

 

 

 

Hintergründe


Das Interesse an Personen und Einzelschicksalen im Gegensatz zum Sammeln biografischer Daten bei seinen historischen, wissenschaftlich gehaltenen Büchern steht bei Peter Engerisser im Vordergrund für das Schreiben seiner umfassenden Romane. 

Umfangreiche, über Jahre dauernde Recherche, tägliche Schreibarbeit, Verfassen eines Road-Map zum besseren Verständnis der Wegstrecken, genaueste Überlegungen zu den jeweiligen Mondphasen oder Transportmittel - dies alles waren u.a. die notwendigen Vorarbeiten, die der Autor von der Idee (2010) bis zum Erscheinen des Fantasyromans (2017) erbringen musste. „In Fantasy ist alles anders, was explizit anders beschrieben wird“, erläuterte Peter Engerisser das Genre des Romans und ergänzte, dass der Roman eine Mischung aus Fantasysaga und Herr der Ringe sei.


 

 

Suche nach neuen Lebensräumen


Die Grundidee der Trilogie ist ein Vulkanausbruch, der zu einer Klimaveränderung, einer kleinen Eiszeit, führt. Die Folge sind Verschiebungen im gesellschaftlich-sozialen Bereich; eine Flucht aus den unwirtlich gewordenen Landstrichen setzt ein. Die Suche nach neuen Lebensräumen verläuft teils friedlich, ist aber auch mit Konflikten und Gewalt verbunden. Fünf Protagonisten machen sich auf eine abenteuerliche Suche nach zwei Artefakten mit dem Ziel, den Vulkan wieder unter Kontrolle zu bekommen. 


 

 

Die heißen Quellen von Oridor


Peter Engerisser las aus dem Kapitel „Die heißen Quellen von Oridor“ vor. Nachdem die Vorräte der Protagonisten und ihrer begleitenden Tiere aufgebraucht waren, half für das weitere Überleben nur noch der Bau eines Floßes und die Weiterfahrt auf einem Fluss. Das Wissen um den Bau von Flößen nach fränkischen Vorbild ließ der Autor an dieser Stelle geschickt einfließen.

Die Vorstellung der Bücher und der Arbeit des Autors erweckte am Ende bei den Anwesenden  die Lust und Neugierde auf das Lesen dieser Fantasysaga.

 
 


Januar 2018
Autorenlesung  Iris Fleischhauer 

„Licht Blick“ 

Zur 14. Literarischen Matinée in der Galerie des Kronacher Kunstvereins konnte der 1.Vorsitzende Karol J. Hurec eine erfreulich große Anzahl interessierter Zuhörer zu einer Autorenlesung begrüßen.

 

Krystyna Hurec-Diaczyszyn stellte die in Weimar geborene und aufgewachsene, jetzt in Schalkau lebende Autorin Iris Fleischhauer vor. Nach 24-jähriger Lehrertätigkeit an der Rudolf-Steiner-Schule in Coburg ist sie jetzt frei schaffende Schriftstellerin, schreibt Bücher und veröffentlicht Kurzgeschichten und Artikel in Zeitschriften. Für Kronach brachte sie die beiden Bücher „Licht Blick“ und „So ist das Leben“ mit. Es traf sich an diesem Sonntag ausgezeichnet, dass am Wochenende das beeindruckende Schauspiel über Hildegard von Bingen auf der Bühne des Kreiskulturraumes präsentiert wurde.

 

Iris Fleischhauer berichtete über ihre Recherchen zu Jutta von Sponheim der sie eine Geschichte im Buch “Licht Blick” widmet.

Magistra Jutta, Meisterin Jutta, Jutta von Sponheim, war die verehrte Lehrerin der Hildegard von Bingen. Auch sie eine der Frauen in dem Buch, deren Leben in die Zeit des Mittelalters einzuordnen ist und deren innere Stärke die Autorin zum Schreiben angeregt hatte. Iris Fleischhauer ist es wichtig, bei den aus historischer Sicht korrekten Recherchen auf den Spuren dieser von der Kirche selig oder heilig gesprochenen Frauen, deren Wirkstätten persönlich aufzusuchen. Auch wenn es sich dabei nur noch um Ruinen ehemaliger Klöster handelt. An diesen Schauplätzen versucht sie, dem wahren Leben der Frauen auf die Spur zu kommen. Wo Fakten nur lückenhaft vorhanden sind, lässt sie ihre Fantasie spielen und erfindet fiktive Begegnungen, die jedoch immer einen historisch exakten Hintergrund haben.

Die Frage „Was machen Menschen aus ihrem teils schwierigen Schicksal?“ zu beantworten ist für Iris Fleischhauer von größerer Bedeutung als das Aneinanderreihen biografischer Daten. So ist das Buch „Licht Blick“ nicht ein Sachbuch über starke Frauengestalten und deren spirituelles Handeln im Mittelalter, sondern der Versuch, Tatsachen, die in eine fiktive Geschichte einfließen, wahr sein zu lassen.

Die Todesnacht vom 22.12.1236, in der Jutta von Sponheim verstarb, wurde in einem Brief beschrieben, dessen Lektüre Anregung zu der Erzählung war. Viele Fragen wurden von den beeindruckten Zuhörern der Autorin zu ihrer schriftstellerischen Arbeit gestellt und von ihr sowohl kompetent als auch einfühlsam beantwortet. Im Gespräch kristallisierte sich eine Gemeinsamkeit der beschriebenen Frauen heraus: Sie verbrachten ihre Lebenszeit mit der Arbeit an den Menschen und der Natur; ihr spirituelles Handeln folgte dem Impuls und nicht der Hl. Schrift; sie leuchteten von innen heraus.

Ein Zeitsprung. Das Gedicht „In memoriam“ aus dem Band „So ist das Leben“ erzählt von der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als Menschen in dem ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald, das nach Kriegsende als sowjetisches Erziehungslager weiter fungierte, spurlos verschwanden.

Auf die Frage nach künftigen Erzählprojekten verwies Iris Fleischhauer auf das in diesem Jahr erscheinende Buch über eine Wanderung entlang der Ilm, das u.a. geografische Gegebenheiten und fiktive Begegnungen enthalten wird.

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